Vor kurzem stieß ich auf einen Videomitschnitt eines alten Venlo-Meetings aus dem Jahr 1992. Interessanterweise ist nur wenigen bekannt, welchen fundamentalen Einfluss dieser niederländische Ort auf die europäische Computerspielkultur hatte. In den späten 1980iger Jahren fanden dort die ersten größeren Copy-Parties statt aus denen sich später die Demo-Party und LAN-Party Szenen entwickelten. Wann diese Bewegung genau startete lässt sich heute leider nur mehr schwer herausfinden. Kleinere Copy-Parties wurden ab etwa 1984 veranstaltet. Das erste dokumentierte Venlo-Meeting fand am 19.Dezember 1987, also fast genau vor 19 Jahren, statt.
In diesen Tagen macht es Sinn sich vor Augen zu führen, warum gerade Venlo zu einer Art Geburtsort der europäischen Computerspielkultur wurde.
In den frühen 1980iger Jahren waren rechtliche Fragestellungen zum Copyright von Software europaweit noch nicht einheitlich geregelt. Und so fanden die meisten internationalen Copy-Parties bevorzugt in jenen Ländern statt, die entweder keine diesbezüglichen Regelungen hatten oder diese nicht exekutierten. Venlo mit seiner Lage gleich hinter der deutsch-niederländischen Grenze erwies sich aus diesem Grund insbesondere für deutsche Crackergruppen ideal. Bis heute gilt Venlo als ein Ort, in dem bundesdeutsche StaatsbürgerInnen jenen Freuden des Lebens nachgehen, die in Deutschland verboten und in den Niederlanden erlaubt oder zumindest geduldet sind.
Inzwischen hat sich das Rad der Geschichte allerdings weiter gedreht. Technologisch hat Venlo in gewisser Weise ausgedient, es wurde durch das Internet abgelöst. Jugendliche der Gegenwart müssen sich nicht mehr in einen Zug setzen und Grenzen überschreiten, um die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Benutzung von Computerspielen zu umgehen. Jeder trägt nun ein Stück Venlo mit sich herum und kann es auch jederzeit zum Einsatz bringen.

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